1. Berliner Bogenschützen e.V.

Bogen-Grundeinstellung

Auflage, Button und Ausgangswerte – getrennt für Recurve, Blankbogen und Compound.

Vor jedem Test: eine brauchbare Ausgangslage schaffen

Auf einem freigegebenen Schießplatz mit großem, geeignetem Pfeilfang arbeiten; beim Wechsel der Schussentfernung die ganze Schießlinie abstimmen. Nur intakte, passend lange Pfeile mit Scheibenspitzen verwenden. Rohschäfte zunächst auf kurze Entfernung schießen.

Standhöhe, Wurfarmausrichtung, Nockpunkthöhe, Pfeilauflage und seitliche Pfeilausrichtung (Centershot) nach Hersteller prüfen. Alle später benutzten Anbauteile montieren. Einstellung notieren, nur eine Sache ändern, erneut mehrere Passen schießen. Ein Ausreißer ist kein Einstellauftrag.

Praxisvorschlag für die Feinarbeit: Nockpunkt in etwa 0,5–1 mm, Auflage in etwa 0,25 mm oder Buttonfeder in etwa ⅛ Umdrehung verändern, soweit die Anleitung das erlaubt. Wird das Bild schlechter, Ausgangswert wiederherstellen. Mindestpfeilgewicht, sichere Pfeillänge und Verstellgrenzen einhalten; Arbeiten an Cams, Kabeln und mit Bogenpresse gehören in erfahrene Hände.

05Button & Pfeilauflage einstellenOlympischer Recurve, Blankbogen und Compound getrennt erklärt

Ziel: Eine wiederholbare Grundstellung mit freiem Pfeildurchgang. Die Auflage trägt den Pfeil von unten; der Button führt ihn seitlich und gibt beim Abschuss gefedert nach. Beim üblichen Compound mit Release übernimmt eine Launcher- oder Fallauflage die Führung; ein seitlicher Button wird normalerweise nicht verwendet.

Zuerst: Intakte, passend lange Pfeile verwenden; Bogen mit später benutzten Anbauteilen vorbereiten. Standhöhe, Wurfarmausrichtung, Zuggewicht und Nocksitz prüfen. Ausgangswerte fotografieren oder notieren. Zum Einstellen den Bogen nicht ausgezogen halten. Schraubensicherungen, Anschläge und Drehmomente stehen in der Modellanleitung.

Olympischer Recurve · Fingerablass, Button und Clicker

Recurve-Grundstellung: Button auf Höhe der Schaftmitte, kurzer tragender Auflagearm, Pfeilspitze bei Rechtshand etwas links der Sehne; Linkshand gespiegelt.
Eigene Skizze · Rechtshand (RH) bedeutet Zughand rechts; Linkshand (LH) entsprechend umgekehrt.
  1. Auflagehöhe: Pfeil einnocken und auflegen. Den Arm so hoch stellen, dass der Button seitlich auf die Mitte des Schafts trifft. Der Arm trägt sicher und kehrt frei in seine Ausgangslage zurück. Er soll von oben gesehen nicht außen über den Schaft hinausragen. Nicht gewaltsam biegen, wenn das Modell eine Stellschraube vorsieht.
  2. Centershot: Von hinten die Sehne mit den Wurfarmmitten zur Deckung bringen. Über den Überstand des gesamten Buttons die Pfeilspitze zunächst etwas außerhalb der Sehne positionieren: RH links, LH rechts. Rund eine halbe Schaftbreite ist ein gebräuchlicher Ausgangspunkt, kein zwingender Endwert. Konterung sichern.
  3. Federdruck separat: Mit der mittleren Herstellerfeder und mittlerer Vorspannung beginnen. Die Federverstellung ändert den Widerstand; den ganzen Button hinein- oder herauszudrehen ändert dagegen den Centershot. Der Stift muss leichtgängig zurückkommen. Der Clicker darf den Pfeil nicht sichtbar in den Button drücken oder von der Auflage schieben.
  4. Nockpunkt und Freigang: Nockpunkthöhe mit dem Checker festhalten; nach jeder Änderung der Auflagehöhe erneut messen. Beim vollständigen Auszug bleiben sichere Pfeillänge und Clickerposition erhalten. Befiederung auf Kontaktspuren an Arm, Button und Bogenfenster prüfen.
  5. Fein abstimmen: Zuerst Nockpunkthöhe im Rohschafttest prüfen, dann seitliche Schaftreaktion. Kleine Federänderung, erneut mehrere Passen; anschließend Walk-Back und normale Gruppen vergleichen. Nicht gleichzeitig Feder und Centershot verstellen.

Wenn es nicht passt: Pfeil rutscht ab → Armlänge, Rückstellung, Nockenklemmen und Fingerdruck prüfen. Kontaktspuren → Armüberstand, Befiederung und Nockpunkt prüfen. Nur mit extrem hartem oder weichem Button brauchbar → zuerst Spine und Grundstellung kontrollieren.

Fachgrundlagen: Shibuya · Auflage und DX-Button ↗ · Easton · Grundeinstellung und Tuning ↗ · Southampton University Archery Club · Clicker und Button ↗

Blankbogen · Mit dem tatsächlich benutzten Abgriff testen

Drei Stringwalking-Abgriffe bei gleichem Nockpunkt. Erst mittleren Abgriff abstimmen, danach kleine und tiefe Abgriffe getrennt prüfen.
Eigene Skizze · Der Abgriff ist der Abstand zwischen Nocke und oberstem Zugfinger.
  1. Mechanisch wie beim Recurve starten: Button auf Schaftmitte, Auflage ohne äußeren Überstand, etwas außen liegende Pfeilspitze und mittlere Buttonfeder. Eine für das eigene Setup geeignete, zuverlässig zurückstellende Auflage verwenden.
  2. Schießweise festlegen: Bei festem Griff an der Sehne wie beim Recurve abstimmen. Beim Stringwalking zuerst einen mittleren, häufig genutzten Abgriff wählen. Anker, Auszug und Fingerposition innerhalb der Vergleichsserie unverändert lassen.
  3. Höhe vor Seite: Nockpunkt mit Rohschäften überprüfen, dann den Button fein abstimmen. Als dokumentierter Start nennt das World-Archery-Handbuch etwa 5–6 mm über 90° bis zur Oberkante der unteren Nockpunktbegrenzung. Das ist keine allgemeine Sollhöhe; besonders tiefe Abgriffe können eine andere Einstellung erfordern.
  4. Kurze und weite Entfernungen prüfen: Mit den dazugehörigen Abgriffen jeweils eigene Serien schießen. Pfeilflug, Kontakt und Gruppengröße vergleichen. Gesucht ist eine brauchbare gemeinsame Einstellung über den eigenen Entfernungsbereich. Den Button nicht bei jedem Abgriff neu drehen.
  5. Bei Problemen nur mit tiefem Abgriff: Zuerst Clearance, Nockpunkt und Zugfinger kontrollieren; danach Tiller mit dem Trainer abstimmen. Tiller verändert die Balance der Wurfarme und muss zur Fingerposition passen. Keine pauschale Vorgabe „immer Null“ oder „immer negativ“; Herstellergrenzen einhalten und anschließend neu testen.

Typischer Denkfehler: Ein perfektes Rohschaftbild bei einem einzigen Abgriff beweist keine gute Abstimmung für den ganzen Parcours. Für den Gruppenvergleich bleiben Auflage, Button und Nockpunkt gleich; verändert wird nur der für die Entfernung benötigte Abgriff.

Fachgrundlagen: World Archery · Coaching Manual, Barebow, S. 5 und 12 ↗ · Archery GB · Barebow-Praxis und Stringwalking, Frühjahr 2022 ↗

Compound · Auflage für mechanisches Release

Compound-Auflagen: Federblech trägt den Pfeil und gibt nach; Fallauflage trägt zunächst und senkt sich rechtzeitig vor der Befiederung. Kein seitlicher Button.
Eigene Skizze · Federblech und Fallauflage benötigen unterschiedliche Einstellungen. Für Compound mit Fingerablass gilt diese Anleitung nicht unverändert.
  1. Montieren und zentrieren: Auflage nach Anleitung befestigen. Den seitlichen Abstand der Pfeilmitte zum Bogenfenster auf das Centershot-Maß des Bogenherstellers stellen. Es gibt kein für alle Cams und Mittelteile richtiges Millimetermaß. Die Recurve-Regel „Pfeilspitze etwas außen“ nicht übertragen.
  2. Höhe in Arbeitsstellung: Die schussbereite Auflage trägt den Pfeil mittig in ihrer Führung. Häufig dient die Mitte der Auflagenbohrung (Berger-Loch) als Höhenbezug; Modellvorgabe geht vor. Nockpunkt / D-Loop so abstimmen, dass der Schaft in der vorgesehenen Ausgangslage zur Sehne steht, oft annähernd rechtwinklig. Bei Fallauflagen in angehobener Stellung prüfen.
  3. Federblech / Blade: Breite und Stärke passend zu Schaftdurchmesser und Pfeilgewicht wählen, den vorgesehenen Arbeitswinkel einstellen. Rund 30–35° sind bei manchen Systemen üblich, aber kein Universalwert. Ein steilerer Winkel kann das Blatt effektiv härter machen. Die Nockenstellung so wählen, dass die Befiederung frei durchläuft.
  4. Fallauflage / Drop-away: Ansteuerung über Wurfarm oder Kabel genau nach Modellanleitung einrichten. Der Arm muss den Pfeil in der vorgesehenen Phase tragen und rechtzeitig vor der Befiederung absenken. Schnurspannung und Auslösezeit sind systemspezifisch; nicht mit einer pauschalen Schnurlänge einstellen. Nach Änderungen Freigang und Rückstellung prüfen.
  5. Prüfen und fein einstellen: Papiertest auf kurze sichere Distanz, danach Walk-Back und Gruppenvergleich. Höhe und Seite getrennt in kleinen Schritten verstellen. Ein bleibender Riss bei korrektem Centershot verlangt auch eine Prüfung von Griff, Nocksitz, Kontakt und Cam-Timing.

Wenn Federn anschlagen: Nockenstellung und Freiraum prüfen; beim Blade zusätzlich Stärke / Winkel, beim Drop-away die Auslösezeit. Die Auflage nicht beliebig weit verschieben, um ein Cam- oder Technikproblem zu überdecken. Arbeiten an Kabeln, Cams und mit Bogenpresse fachkundig ausführen lassen.

Fachgrundlagen: Archery Education · Compound-Auflage ↗ · Beiter · Federblech, Winkel und Verstellung ↗ · Hamskea · Ansteuerung und Fallauflagenfunktion ↗

Was die Grundstellung leistet

Schafft einen klaren Ausgangspunkt, trennt Lage und Federwirkung und macht spätere Korrekturen nachvollziehbar.

Wo ihre Grenze liegt

Ein Maß allein ergibt noch kein gutes Tuning. Schaft, Ablass und beim Blankbogen der Abgriff entscheiden mit. Mit mehreren sauberen Passen bestätigen.