1. Berliner Bogenschützen e.V.

Pfeilauswahl · der Wegweiser

Welche Pfeile passen zu Bogenklasse und Disziplin? Durchmesser, Federn, FOC, GPP sowie Griffarten und Zielbilder verständlich erklärt.

Vom Bogen zum passenden Pfeil

Erst passend.
Dann schnell.

Ein guter Pfeil passt zu deinem Bogen, deinem Auszug und deiner Disziplin. Für eine flache 3D-Flugkurve zählen Gesamtgewicht, sauberer Flug und ein verlässlicher Zielbezug gemeinsam.

  1. Klasse & DisziplinWas ist erlaubt, welche Distanz zählt?
  2. Länge, Spine & GewichtErst den sicheren Grundaufbau festlegen.
  3. Federn, FOC & ZielbildAbstimmen, messen und ausschießen.

Regelgrundlage: DSB-Sportordnung, Online-Fassung Stand 01.01.2027 ↗, Teil 6; geprüft am 29.10.2026. Für den konkreten Start gelten die zugehörige Sportordnung und Ausschreibung. Empfehlungen unten sind Trainings-Startwerte, keine zusätzlichen DSB-Regeln.

01

Dein Ausgangspunkt

Bogenklasse und Einsatz wählen. Die Empfehlung ist ein Start für den Test, keine fertige Kauf- oder Spinefreigabe.

Traditioneller Bogen · 3D-Parcours

Im DSB als eigene Klasse in 3D. Kein Stringwalking; bei Drei Unter höchstens 3 mm Abstand des Zeigefingers unter der Nocke. Facewalking ist nach der verlinkten SpO 2027 erlaubt.

Schaft
Zum Beispiel 4,2 mm ID für schmale Schäfte, 5,2 mm ID wie beim Phantom 5.2 oder 6,2 mm ID mit verbreiteten Komponenten. Innendurchmesser allein sagt nichts über Gewicht, Robustheit oder Tempo aus.
Befiederung
Etwa 3–4″ Naturfedern über Shelf. Auf freistehender Auflage sind auch passende Vanes möglich.
Gewicht als Testbeginn
8–10 GPP, sofern der Bogenhersteller dies freigibt.
Griff & Zielbezug
Für kurze 3D-Distanzen lohnt ein Versuch mit Drei Unter direkt an der Nocke. Mediterran bietet bei vergleichbarem Gesichtsanker oft einen weiter entfernten Nullpunkt. Eine Griffart für den Wettkampf beibehalten.
Alle fünf DSB-Bogenklassen im Überblick
KlassePfeil & EinsatzRedaktioneller GPP-StartbereichGriff / Regel
Recurve mit VisierCarbon, Aluminium oder Aluminium/Carbon. DSB: Halle, im Freien, Feld und 3D.6–8 GPP
Nur innerhalb der Herstellerfreigabe.
Mediterraner Griff und reproduzierbarer Kinnanker sind der übliche Einstieg. Mit Visier wird über das Korn gezielt; die Pfeilspitze muss nicht auf dem Ziel liegen.
CompoundCarbon, Aluminium oder Aluminium/Carbon. DSB: Halle, im Freien, Feld und 3D. Das Spitzenzuggewicht zählt für GPP, nicht das Haltegewicht nach Let-off.5–7 GPP
Nur innerhalb der Herstellerfreigabe.
Üblich ist ein mechanisches Release mit D-Loop, Peep und Visier. Mediterran / Drei Unter sind hier keine passende Standardeinstellung.
BlankbogenCarbon, Aluminium oder Aluminium/Carbon. DSB: Halle, im Freien, Feld und 3D. Fingerposition an Sehne und Gesicht darf verändert werden.6½–8½ GPP
Nur innerhalb der Herstellerfreigabe.
Drei Unter ist ein guter Einstieg für das Zielen über die Spitze. Stringwalking ist erlaubt: für kurze Entfernungen tiefer unter der Nocke greifen, für längere wieder näher an die Nocke.
LangbogenDSB-Langbogen: ausschließlich Holzschäfte und Naturfedern. Im DSB als eigene Klasse in 3D. Die unten gezeigten Carbonmodelle sind in dieser Klasse nicht zugelassen.9–12 GPP
Nur innerhalb der Herstellerfreigabe.
Mediterran oder Drei Unter direkt an der Nocke. Im DSB höchstens 2 mm Abstand des Zeigefingers; fester Gesichtsanker. Weder Stringwalking noch Facewalking und kein Wechsel zwischen beiden Griffarten.
Traditioneller BogenCarbon, Aluminium oder Holz; beim Shelf sind Naturfedern meist die praktische Wahl. Im DSB als eigene Klasse in 3D. Kein Stringwalking; bei Drei Unter höchstens 3 mm Abstand des Zeigefingers unter der Nocke. Facewalking ist nach der verlinkten SpO 2027 erlaubt.8–10 GPP
Nur innerhalb der Herstellerfreigabe.
Für kurze 3D-Distanzen lohnt ein Versuch mit Drei Unter direkt an der Nocke. Mediterran bietet bei vergleichbarem Gesichtsanker oft einen weiter entfernten Nullpunkt. Eine Griffart für den Wettkampf beibehalten.

Die Bereiche sind bewusst grobe Praxisansätze. Beim Langbogen mit Holz- oder empfindlichen Wurfarmen kann ein höheres Mindestgewicht gelten. Reiterbogen und Primitivbogen sind hier keine zusätzlichen DSB-Klassen. Für ihre Bauart siehe Bogenarten & Ausrüstung.

DSB-Wettbewerbe ↗ · Blankbogen ↗ · Langbogen ↗ · Traditioneller Bogen und Pfeile ↗

Länge und Spine richtig festlegen

Das tatsächliche Zuggewicht am eigenen Auszug messen; beim Compound das Spitzenzuggewicht. Sichere Pfeillänge mit Trainer oder Fachhandel festlegen. Ein Pfeil darf im Vollauszug nicht hinter die Auflage geraten. Nicht auf Verdacht kürzen, um Gewicht zu sparen.

Bei Carbon bedeutet eine kleinere Spinezahl einen steiferen Schaft. Ein längerer Schaft und mehr Masse vorn lassen denselben Pfeil dynamisch weicher reagieren; Kürzen macht ihn steifer. Holzschäfte werden anders, meist nach Zuggewichtsgruppen, bezeichnet. Die Zahl 600 in den Modellbeispielen ist keine Empfehlung für deinen Bogen.

Hersteller-Spinetabelle mit Pfeillänge, Zuggewicht und Spitzen-/Insertmasse verwenden. Danach den passenden Tuningtest durchführen; bei Fingerablass hilft ein Rohschaftvergleich. Der Spine-Rechner liefert einen zusätzlichen ersten Anhaltspunkt für die dort genannten Bögen.

02

Was die Disziplin verändert

Durchmesser und Befiederung sollen zur Aufgabe passen.

Kontrolle auf kurzer Distanz

Halle · meist 18 m

Ein gut abgestimmter vorhandener Pfeil reicht zum Einstieg. Dickere Hallenschäfte können Linien schneiden; maximal 9,3 mm Schaft-Außendurchmesser und 9,4 mm Spitze.

Etwa 3–4″ Befiederung als Versuch; bei geeigneten schweren Hallenpfeilen auch 4–5″. Mehr Fläche stabilisiert, bremst aber stärker.

Entscheidend: Konstante Gruppen und sauberes Ausschwingen sind wichtiger als Tempo. Dicke, steife Schäfte passen nicht automatisch zu geringem Zuggewicht.

Flug über Distanz

Scheibe im Freien

Schmale Target-Schäfte sind oft sinnvoll, z. B. 3,2 oder 4,2 mm Innendurchmesser. Der Außendurchmesser hängt zusätzlich von Spine und Wandstärke ab.

Kleine, ausreichend stabilisierende Befiederung vermindert Luftwiderstand. Wind, Pfeilmasse und Flugzeit zusammen bewerten.

Entscheidend: Die Wettkampfdistanz sicher erreichen und bei Wind gut gruppieren. Erwachsenenbeispiele der 72-Pfeil-Runde: Recurve 70 m, Compound/Blankbogen 50 m; Altersklassen können abweichen.

Flug über Distanz

Feldbogen

Schmale Carbon- oder Alu/Carbon-Schäfte sind oft praktisch; robuste Standard-Carbonpfeile können ebenfalls passen.

Kompakte Befiederung mit genügend Stabilisierung für kurze und weite Schüsse. Bergauf und bergab auch den Freigang prüfen.

Entscheidend: Abstimmung und reproduzierbare Entfernungseinstellung zählen. Je nach Klasse und Altersklasse reichen die DSB-Entfernungen bis 50 bzw. 60 m.

Entfernungen einschätzen

3D-Parcours

Zum Beispiel 4,2 mm ID für schmale Schäfte, 5,2 mm ID wie beim Phantom 5.2 oder 6,2 mm ID mit verbreiteten Komponenten. Innendurchmesser allein sagt nichts über Gewicht, Robustheit oder Tempo aus.

So viel Federfläche wie für sauberen Flug nötig, so wenig zusätzliche Bremswirkung wie sinnvoll. Bei Shelf und Naturfedern sind 3–4″ ein guter Testbeginn.

Entscheidend: Leichter innerhalb der Bogenfreigabe kann die Flugkurve abflachen und Schätzfehler etwas entschärfen. DSB: Blank/Traditionell/Langbogen 5–30 m, Recurve/Compound 5–45 m; Ausschreibung und Altersklasse beachten.

Durchmessergrenzen: DSB 6.2.3 ↗. Entfernungen hängen von Runde, Klasse und Ausschreibung ab. Größenempfehlungen zur Befiederung sind Praxisansätze, gestützt auf World Archery Coaching Manual, Level 2 ↗.

03

Warum der Pfeil so fliegt

Spine, Schwerpunkt und Befiederung arbeiten zusammen.

Spine & Freigang

Der Schaft biegt und schwingt nach dem Lösen. Das ist normal. Unpassender Spine oder Kontakt von Feder, Nocke und Bogen kann den Flug stören. Größere Federn ersetzen keine saubere Abstimmung.

Federn & Luftwiderstand

Befiederung richtet den Pfeil aus. Größere Fläche und stärkere Schrägstellung können schneller stabilisieren, kosten aber Geschwindigkeit. Profilhöhe, Material, Zahl und Anstellwinkel zählen ebenso wie die Länge.

FOC & Gesamtgewicht

Ein Schwerpunkt vor der Mitte unterstützt zusammen mit der Befiederung die Flugstabilität. Mehr Spitzenmasse erhöht meist den FOC, das Gesamtgewicht und die dynamische Biegung. Mehr FOC ist deshalb nicht automatisch präziser oder flacher.

Naturfedern, Vanes und Spin-Wings: was passt wohin?

Naturfedern: leicht und nachgiebig, deshalb über Shelf meist die unkomplizierte Wahl. Nässe kann Form und Flugverhalten beeinflussen. Im DSB-Langbogen sind Naturfedern vorgeschrieben.

Kunststoff-Vanes: wetterfest und haltbar; benötigen ausreichenden Freigang. Über eine geeignete Auflage gut einsetzbar. Spezielle Shelf-Vanes existieren, normale steife Vanes aber nicht ungeprüft über Shelf schießen.

Spin-Wings / Folienvanes: leichte Target-Lösung, häufig am Recurve; gute Freigängigkeit und sorgfältige Montage sind wichtig. Empfindlicher gegen Kontakt und Beschädigung.

Startempfehlung: drei gleichmäßig gesetzte Federn oder Vanes. Vier können zusätzliche Stabilisierung bringen, erhöhen aber Masse, Aufwand und häufig Luftwiderstand. Erst ein abgestimmtes Dreier-Setup als Vergleich ausschießen.

World Archery: Befiederung nach Einsatz wählen ↗

04

FOC verstehen und berechnen

Front of Center: Wie weit liegt der Schwerpunkt vor der Pfeilmitte?

L: Nockboden (tiefster Punkt der Sehnenkerbe) bis Schaftende, ohne überstehende Spitze.

A: vom selben Nockboden bis zum Balancepunkt des vollständig fertigen Pfeils, mit Spitze, Nocke und Befiederung.

FOC = (A − L / 2) ÷ L × 100 %

Mitte L/2NockbodenSchaftendeL · ohne überstehende Spitze

Messmethode: Easton-FAQ ↗. Der Prozentwert beschreibt den Schwerpunktversatz, nicht den Gewichtsanteil vorn.

12,5 % FOC(47,5 − 38) ÷ 76 × 100 = 12,5 %
Schwerpunkt 9,5 cm vor der Mitte.

Easton nennt für Target-Pfeile 7–15 % in der Halle und 10–15 % draußen als typische Bereiche. Für 3D mit Scheiben-/Feldspitzen sind 10–15 % ein sinnvoller erster Vergleich, keine Pflicht und kein universelles Optimum.

Den fertigen Pfeil ausbalancieren. Aus Marke, GPI und Spitzengewicht allein lässt sich der genaue FOC nicht bestimmen.

Easton: FOC-Empfehlungen ↗ · Keine DSB-Vorgabe.

05

GPP, Tempo und eine flache 3D-Flugkurve

Grains per Pound setzt das gesamte Pfeilgewicht ins Verhältnis zum Zuggewicht.

GPP = Pfeilgewicht in grain ÷ Zuggewicht in lbs

1 grain = 0,06479891 g. Gemeint ist der komplette Pfeil einschließlich Spitze, Insert, Pin, Nocke, Federn, Wrap und Kleber. Recurve/Traditionell: tatsächlich am eigenen Auszug gemessen. Compound: Spitzenzuggewicht, keinesfalls das geringe Haltegewicht.

Beispiel: 320 grain ÷ 40 lbs = 8 GPP. Bei derselben Bogenkonfiguration ist ein leichterer Pfeil meist schneller. Eine pauschale fps-Zahl lässt sich aus GPP aber nicht ablesen.

Die Herstellergrenze geht vor. Hoyt nennt für seine Compoundbögen mindestens 5 GPP; Black Widow nennt 8 GPP als Mindestgrenze und empfiehlt 9–11 GPP. Diese Beispiele sind keine Freigabe für andere Modelle.

Hoyt ↗ · Black Widow ↗

8,00 GPP320 grain ÷ 40 lbs. Mindestgewicht noch nicht geprüft.

Ohne eingetragenen Herstellerwert gibt der Rechner keine Mindestgewichtsfreigabe. Zusätzliche Vorgaben wie ein absolutes Mindestgewicht und die passende Spineklasse gelten weiterhin.

Für schnellere 3D-Pfeile in dieser Reihenfolge vorgehen

  1. Bogenfreigabe, sichere Länge und passenden Spine festlegen.
  2. Kompletten Pfeil wiegen. Schaft und Bauteile vergleichen, ohne unter die Freigabe zu gelangen.
  3. Sauberen Flug herstellen; erst dann kleinere oder flachere Befiederung testen.
  4. Geschwindigkeit messen und Gruppen auf kurzen wie langen Parcoursdistanzen vergleichen.
  5. Nullpunkt und Gaps neu ausschießen. Ein schnellerer Pfeil kann einen weiteren Nullpunkt und größere Halteabstände auf kurzen Distanzen erzeugen.
Flugbahn, Geschwindigkeit, Bauteilgewicht und Gap-Tabelle berechnen →

Die Flugkurve bleibt gekrümmt. Weniger Flugzeit kann Schätzfehler verringern; sie ersetzt keine Entfernungsschätzung. Ein höherer Anker verändert den Zielbezug, nicht die Schwerkraft oder die eigentliche Fluggeschwindigkeit.

06

Phantom und drei weitere Marken

Konkrete Schaftbeispiele zum Vergleichen – alle mit Spine 600, ohne persönliche Spine-Empfehlung.

SPHERE Phantom gibt es als 4.2 und 5.2. Deshalb stehen beide Varianten hier. Für deinen eigenen Vergleich brauchst du die genaue Variante, Länge, Zuggewicht und das fertige Pfeilgewicht. SPHERE ist die bei BSW angebotene Marke; Victory ist ein eigener Hersteller.

Hersteller-/Anbieterwerte und getrennt davon ein Rechenbeispiel
Modell · Spine 600Innen / SystemAußenGPIBeispielgewicht³GPP bei 35 lbs³
SPHERE Phantom 4.2 ↗4,20 mm5,35 mm5,18270,2 gr7,72
SPHERE Phantom 5.2 ↗5,20 mm6,00 mm4,15240,4 gr6,87
Victory VAP Target ↗0,166″ ≈ 4,22 mm5,44 mm¹5,50279,5 gr7,99
Easton Avance / Avance Sport ↗4-mm-System²5,69 mm6,50308,5 gr8,81
Skylon Brixxon ↗4,20 mm5,71 mm7,09325,6 gr9,30

³Reines Rechenbeispiel: 29″ Schaftrohr × GPI + 100 grain Spitze/Insert zusammen + 20 grain übrige Bauteile. Keine fertige Herstellerkonfiguration und keine Aussage, dass diese Bauteile zu jedem Schaft passen. Tatsächliche Komponenten und Kleber wiegen. GPI heißt grain je Zoll, GPP grain je Pfund. Diese 29″ Schaftrohrlänge ist nicht die FOC-Messlänge ab Nockboden.

SPHERE Phantom 4.2

Schmale Phantom-Variante. Für Scheibe/Feld und passend aufgebaut auch 3D; auf Shelf mit Naturfedern testen.

Produktdaten prüfen ↗

SPHERE Phantom 5.2

Bei Spine 600 leichter pro Zoll als der 4.2. Gerade hier das fertige Gewicht gegen die Bogenfreigabe prüfen.

Produktdaten prüfen ↗

Victory VAP Target

Schmaler Target-Schaft. ¹Maß und GPI aus Victory-Datenblatt 2020; aktuelle Ausführung vor Kauf abgleichen.

Produktdaten prüfen ↗

Easton Avance / Avance Sport

Target-Beispiel für draußen. ²Systembezeichnung; hier kein behaupteter exakter Innendurchmesser.

Produktdaten prüfen ↗

Skylon Brixxon

Schmaler Target-Schaft, in diesem Spine schwerer als beide Phantom-Varianten. Dünn heißt nicht automatisch leicht.

Produktdaten prüfen ↗

Was das Phantom-Beispiel zeigt

Mit den obigen Annahmen wiegt der Phantom 5.2 nur 240,4 grain und erreicht bei 35 lbs 6,87 GPP. Falls dein Bogen mindestens 8 GPP verlangt, wären mindestens 280 grain nötig: Dieses Beispiel wäre zu leicht. Der Phantom 4.2 kommt auf 270,2 grain bzw. 7,72 GPP und liegt ebenfalls noch knapp darunter.

Mehr passende Masse kann nötig sein. Dabei den dynamischen Spine erneut prüfen. Welcher Phantom für dich schneller und passend ist, lässt sich erst mit deinem vollständigen Setup entscheiden.

Victory-Zahlen: Original-Datenblatt 2020 bei JVD ↗. Übrige Zahlen laut verlinkten Hersteller-/BSW-Seiten, Abruf 29.10.2026. Außendurchmesser und GPI ändern sich mit dem Spine. Carbonmodelle nicht für die DSB-Langbogenklasse verwenden.

07

Mediterran, Drei Unter oder Stringwalking?

„Drei Unter“ und „Untergriff“ meinen hier dasselbe. Erst der Abstand zur Nocke macht daraus einen Stringwalking-Abgriff.

Mediterran · 1 über, 2 unter

ZeigefingerMittelfingerRingfingerSehnePfeil

Der Zeigefinger liegt über der Nocke, Mittel- und Ringfinger darunter.

Vorteil: vertrauter Einstieg bei Recurve mit Visier; traditionell bei gleichem Gesichtsbezug oft ein weiter entfernter Nullpunkt.

Nachteil: beim Zielen über die Spitze häufig größere Gaps auf kurzen Entfernungen. Die Nocke nicht zwischen den Fingern einklemmen.

Drei Unter · direkt an der Nocke

ZeigefingerMittelfingerRingfingerSehnePfeil

Alle drei Zugfinger greifen unter der Nocke. Bei gleichem Bezug des Zeigefingers im Gesicht liegt die Nocke häufig näher am Auge.

Vorteil: die Pfeilspitze liegt beim passenden Haltebild auf kurzen Distanzen oft näher an der Zielmitte; der Abstand lässt sich leichter einschätzen.

Nachteil: meist kürzerer Nullpunkt und früheres Drüberhalten auf weite Ziele. Nockpunkt/Tiller nach dem Wechsel überprüfen.

Stringwalking · tiefer abgreifen

ZeigefingerMittelfingerRingfingerSehnePfeilAbgriff

Die Finger bleiben unter der Nocke, greifen aber je nach Entfernung unterschiedlich weit darunter. Der Gesichtsanker bleibt üblicherweise gleich.

Vorteil: Blankbogenschützen können die Spitze auf vielen Entfernungen in die Zielmitte nehmen.

Nachteil: Abgriff muss zur Entfernung passen; tiefe Abgriffe verändern die Belastung der Wurfarme und erschweren die Abstimmung. Keine allgemeingültige Millimeter-Tabelle.

Schematische Darstellung, nicht maßstäblich. Die Abstände im Bild sind keine Einstellwerte; Pfeil und Finger sind zur Erklärung auseinandergezogen.

Was ist in welcher DSB-Klasse erlaubt?
  • Blankbogen: Stringwalking und Facewalking erlaubt.
  • Traditioneller Bogen: mediterran oder direkt unter der Nocke, Zeigefinger höchstens 3 mm darunter. Nicht zwischen den Griffarten wechseln. Kein Stringwalking. Nach der hier verlinkten SpO 2027 darf die Position der Finger im Gesicht verändert werden.
  • Langbogen: mediterran oder direkt unter der Nocke, Zeigefinger höchstens 2 mm darunter; eine Griffart und ein fester Gesichtsanker. Kein Stringwalking und kein Facewalking.
  • Recurve mit Visier: mediterraner Griff mit stabilem Kinnanker als übliche Trainingswahl. Compound: Release- und Visierablauf üben.

DSB 6.2.2.3.4 ↗ · DSB 6.2.2.4.4 / .6 ↗ · DSB 6.2.2.5.4 / .6 ↗ · Fingerschutz muss ebenfalls regelkonform sein.

Was ist für den Einstieg leichter?

Wer ohne Visier bewusst über die Pfeilspitze zielen möchte, findet Drei Unter auf kurzen Entfernungen häufig übersichtlicher. Ein höherer, reproduzierbarer Anker kann den Gap verkleinern. „Je höher, desto besser“ gilt aber nicht: Gesichtskontakt, Sehnenbild, Bewegungsablauf und Reichweite müssen zusammenpassen.

Beim intuitiven Zielen steht ein gleichbleibender Ablauf stärker im Vordergrund; mediterran und Drei Unter sind beides mögliche Wege. Ein sauber wiederholbarer Anker hilft mehr als ein theoretisch günstiger, aber instabiler.

Empfehlung nach Einsatz

Halle, Blankbogen: Drei Unter und einen verlässlich ausgeschossenen 18-m-Abgriff testen. Ist der Nullpunkt schon kürzer als 18 m, hilft tieferes Abgreifen nicht beim Erreichen dieser Entfernung.

3D, Traditionell/Langbogen: Drei Unter für kurze Distanzen vergleichen; mediterran, wenn ein weiterer Nullpunkt besser zum Parcours passt. Klassenregeln beachten.

Feld/3D, Blankbogen: mehrere Entfernungen und Abgriffe ausschießen. Weite Scheibendistanzen: einen erreichbaren Zielbezug auf der längsten Distanz prüfen, bevor das kurze Setup optimiert wird.

08

Drunterhalten, Nullpunkt, Drüberhalten

Gleiches Setup, gleicher Griff und gleicher Anker. Der rote Zeiger zeigt die wahrgenommene Pfeilspitze.

Vor dem fernen Nullpunkt

Auf üblichen kurzen bis mittleren Distanzen liegt die Pfeilspitze im passenden Zielbild häufig unter der gewünschten Trefferstelle. Beispiel: 18 m bei einem ausgeschossenen Nullpunkt von 30 m.

Am Nullpunkt

Spitze auf Zielmitte und mittlere Trefferlage auf Zielmitte fallen zusammen. Beispiel: die eigenen ausgeschossenen 30 m. Das ist der Point-on, keine maximale Schussweite.

Hinter dem fernen Nullpunkt

Die Spitze muss bei gleicher Technik typischerweise über die gewünschte Trefferstelle. Beispiel: 40 m bei einem Nullpunkt von 30 m. Die Zielmitte kann dabei verdeckt werden.

Die Entfernungen und die gezeichneten Abstände sind nur Beispiele. Sehr kurze Schüsse können wegen der Höhe zwischen Auge und Nocke anders reagieren. Gaps sind weder linear zur Entfernung noch für andere Anker oder Pfeile übertragbar. Bergauf/-ab zusätzlich ausschießen.

Warum die Nähe zum Auge helfen kann

Bei vergleichbarem Schussablauf verkleinert ein höher liegender Pfeil den Abstand zwischen Blicklinie und Pfeilachse. Für nahe Ziele lässt sich die Spitze dadurch häufig näher an der gewünschten Trefferstelle halten. Gleichzeitig verkürzt sich meist die Point-on-Entfernung. Das verschiebt das Zielbild; es macht den Pfeil nicht schneller.

Praktischer Versuch: An einem zugelassenen Trainingsplatz mediterran und Drei Unter jeweils mit sauberem, festem Anker auf 10, 18 und 30 m vergleichen. Nullpunkt und Gruppen getrennt notieren. Bei jeder Griffänderung Nockpunkt, Freigang und Tuning prüfen; im Wettkampf die vorgeschriebene Griffart beibehalten.

Eigenes Setup mit Flugkurve und Gap-Tabelle ansehen → Mehr zu den Zieltechniken →

Grundlagen zum Abgriff und Gesichtsanker: World Archery Coaching Manual, Kapitel Barebow ↗. Die Zielbilder sind vereinfachte eigene Lehrgrafiken.

Dein nächster Schritt

Wähle einen passenden Grundpfeil, miss FOC und Gewicht und schieße das Setup aus. Nach jeder Änderung an Länge, Spitze, Befiederung oder Griff den Flug und die Gaps erneut prüfen.